Wie wirkt es?
Der Name geht auf frühe Versuche zurück, in denen die Substanz Deltawellen im Schlaf von Tieren zu fördern schien. Trotz des Namens ist unklar, ob DSIP beim Menschen tatsächlich als Schlafhormon wirkt. Forschende haben vorgeschlagen, dass das Peptid neuroendokrine Systeme – unter anderem Stresshormone – beeinflussen und unter Belastung stabilisierend wirken könnte, doch es wurde kein gesicherter Rezeptor oder Wirkmechanismus identifiziert. Ein Großteil des Wissens beruht auf älteren Tierversuchen.
Technischer Mechanismus
Nonapeptid (Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu), ursprünglich aus Hirngewebe isoliert. Untersucht auf Einflüsse auf Schlafmuster, neuroendokrine Achsen (u. a. Cortisol) und Stressreaktion.
Woran wird geforscht?
- Schlaf und Delta-Schlaf (der Hintergrund des Namens)
- Stressreaktion und Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastung (Tierstudien)
- Chronische Schmerzen (eine ältere klinische Pilotstudie am Menschen)
- Schutz von Nervengewebe bei Sauerstoffmangel und Schlaganfall (Tierversuche)
- Krampf-/Epilepsiemodelle und Gedächtnis (Tierversuche)
Zur Dokumentation: Die Forschung zu DSIP ist alt (vieles aus den 1970er- bis 1990er-Jahren) und begrenzt. Die meisten Studien wurden an Tieren oder im Labor durchgeführt, und die wenigen Humanstudien sind klein und älter – zum Beispiel eine klinische Pilotstudie zu chronischen Schmerzen. Mehrere Übersichtsartikel beschreiben DSIP als ein noch immer „ungelöstes Rätsel“ ohne gesicherten Wirkmechanismus. Die Ergebnisse sollten mit großer Vorsicht interpretiert werden. Der Inhalt hier ist ausschließlich Forschungsinformation, keine Gesundheitsberatung.
Forschungsprofil
Studien und Quellen
Die Links führen zu unabhängigen Forschungsdatenbanken (PubMed, PubMed Central, ClinicalTrials.gov). Die Studien sind auf Englisch und öffnen sich in einem neuen Tab.
Schlaf und Hintergrund
Die ältesten Arbeiten und spätere Übersichtsartikel beschreiben die Entdeckung von DSIP und die Versuche, das Peptid mit Schlaf in Verbindung zu bringen. Das Bild ist vielschichtig, und die Rolle im menschlichen Schlaf wurde nie sicher festgestellt.
- Delta-sleep-inducing peptide (DSIP): a review. ÜbersichtPubMed· 1984
Dieser Übersichtsartikel beschreibt DSIP als kleines Nonapeptid, das in erster Linie den Tiefschlaf (Delta-Schlaf) bei Kaninchen, Ratten, Mäusen und Menschen förderte, während es bei Katzen stärker den REM-Schlaf beeinflusste. Die Wirkung folgte einer U-förmigen Kurve in Abhängigkeit von Dosis und Infusionsdauer. DSIP-ähnliche Substanz wurde im Gehirn, in anderen Organen und im Blut mehrerer Säugetiere gefunden. Neben dem Schlaf wurde die Substanz mit Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität, der Botenstoffe, des Tagesrhythmus und der Bewegung, der Hormonspiegel und der psychischen Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht.
- Delta sleep-inducing peptide. ÜbersichtPubMed· 2001
Auf Grundlage des Titels: Dies ist ein Übersichtsartikel über das Delta-Schlaf-induzierende Peptid (DSIP).
- Neuropeptides and human sleep. ÜbersichtPubMed· 1997
Dieser Übersichtsartikel fasst zusammen, wie verschiedene Neuropeptide den Schlaf beim Menschen beeinflussen. Die Autoren beschreiben, dass das Gleichgewicht zwischen den Hormonen GHRH und CRH zentral für einen normalen Schlaf ist: GHRH fördert den Tiefschlaf, während CRH die gegenteilige Wirkung hat. Bei Alterung und Depression verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung CRH, was den Schlaf stört. Einige Peptide fördern den Schlaf, während andere ihn stören. Laut dem Artikel ist die Bedeutung von DSIP für die Schlafregulation beim Menschen bislang unklar.
Stress, Schmerz und frühe Humanstudien
Eine ältere klinische Pilotstudie untersuchte DSIP bei Patienten mit chronischen Schmerzen, während Tierstudien die mögliche Rolle des Peptids bei der Stressresistenz erforscht haben.
- Therapeutic effects of delta-sleep-inducing peptide (DSIP) in patients with chronic, pronounced pain episodes. A clinical pilot study. Klinisch (Mensch)PubMed· 1984
In dieser kleinen Pilotstudie erhielten 7 Patienten mit chronischen, starken Schmerzzuständen (Migräne, gefäßbedingte Kopfschmerzen, Tinnitus und psychisch bedingte Schmerzen) DSIP über mehrere Tage in die Blutgefäße verabreicht. Bei 6 von 7 Patienten wurde das Schmerzniveau deutlich niedriger, und gleichzeitig nahmen depressive Beschwerden ab. Die Autoren bezeichnen dies als frühe, explorative Studie. Aufgrund der sehr geringen Teilnehmerzahl sind die Ergebnisse unsicher und sollten mit Vorsicht interpretiert werden.
- Delta-sleep-inducing peptide sequels in the mechanisms of resistance to emotional stress. PräklinischPubMed· 1995
In dieser Tierstudie an Ratten untersuchten die Forschenden, wie DSIP die Spiegel von Substanz P, Beta-Endorphin und dem Stresshormon Corticosteron bei langanhaltendem Stress beeinflusste. DSIP führte zu deutlichen Veränderungen dieser Stoffe im Hypothalamus und im Blut. Die Forschenden sind der Ansicht, dass DSIP die Widerstandskraft gegenüber emotionalem Stress beeinflussen kann, indem es eine Kette von Reaktionen zwischen verschiedenen Botenstoffen und Hormonen in Gang setzt. Die Wirkung war bei zwei Rattenstämmen mit unterschiedlicher Stresstoleranz verschieden.
- Delta sleep-inducing peptide and Deltaran: potential approaches to antistress protection. PräklinischPubMed· 2008
In dieser Tierstudie an Ratten verglichen die Forschenden DSIP mit dem Präparat Deltaran. Beide beeinflussten die Nervenaktivität in Hirnregionen, die mit Emotionen und Stress zusammenhängen, auf ähnliche Weise. Ratten, die Deltaran erhielten, hatten eine bessere Blutversorgung des Gehirns, und alle überlebten einen anschließenden Zustand der Minderdurchblutung des Gehirns, während 38 % der Ratten ohne Deltaran starben. Die Forschenden sehen dies als möglichen Ansatz zum Schutz vor Stress und Schlaganfall.
Ungeklärter Mechanismus und neuere Tierversuche
Übersichtsartikel bezeichnen DSIP als ein noch immer ungelöstes Rätsel, und neuere Tierstudien haben mögliche Wirkungen auf Nervengewebe, Sauerstoffmangel und Gedächtnis untersucht.
- Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle. ÜbersichtPubMed· 2006
Dieser Übersichtsartikel weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen DSIP und Schlaf nie gut belegt wurde, unter anderem weil das Gen und ein möglicher Rezeptor nicht gefunden wurden. Die Autoren halten die Hypothese von DSIP als Schlaffaktor für schwach. Sie schlagen stattdessen vor, dass es eine oder mehrere DSIP-ähnliche Substanzen geben könnte, die die beobachtete Aktivität erklären. Einige künstliche DSIP-Varianten förderten den Tiefschlaf bei Kaninchen und Ratten, während DSIP selbst dies nicht tat. Die natürliche Rolle von DSIP ist weiterhin ungeklärt.
- Delta-sleep-inducing peptide (DSIP): an update. ÜbersichtPubMed· 1986
Dieser Übersichtsartikel aktualisiert den Wissensstand zu DSIP ab Mitte der 1980er-Jahre. Er beschreibt sowohl schlaffördernde als auch schlafunterstützende Wirkungen bei Tieren sowie explorative Arbeiten zu einer möglichen Anwendung bei Schlaflosigkeit, Schmerz und Entzug. Immunchemische Studien lieferten mehr Erkenntnisse darüber, wo DSIP-ähnliche Substanz natürlicherweise im Körper vorkommt, und deuteten mögliche Zusammenhänge mit bestimmten Krankheiten an. Die Autoren betonen, dass sowohl die physiologischen Funktionen als auch der Wirkmechanismus noch nicht geklärt sind.
- Delta Sleep-Inducing Peptide Recovers Motor Function in SD Rats after Focal Stroke. PräklinischPubMed· 2021
In dieser Tierstudie an Ratten erhielten die Tiere DSIP vor und nach einem ausgelösten Schlaganfall über insgesamt acht Tage in die Nase. Der geschädigte Bereich im Gehirn war bei den mit DSIP behandelten Tieren etwas kleiner, der Unterschied war jedoch statistisch nicht gesichert. Dagegen verbesserte sich die Bewegungsfähigkeit (gemessen in einem Gleichgewichtstest) bei den Ratten, die DSIP erhielten, deutlich. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass DSIP in die Nase in diesem Tiermodell zu einer schnelleren Wiederherstellung motorischer Funktionen führte.
- Delta sleep inducing peptide (DSIP): effect on respiration activity in rat brain mitochondria and stress protective potency under experimental hypoxia. PräklinischPubMed· 2003
In diesem Labor- und Tierversuch untersuchten die Forschenden, wie DSIP die Energieproduktion in den Mitochondrien (den Kraftwerken der Zellen) im Rattengehirn beeinflusste. DSIP erhöhte die Effizienz der Energieproduktion. Bei Ratten, die Sauerstoffmangel ausgesetzt waren, sank die Aktivität der Mitochondrien, doch eine Vorbehandlung mit DSIP verhinderte diesen Abfall vollständig. Die Forschenden sind der Ansicht, dass dies helfen könnte, die stressschützende und antioxidansähnliche Wirkung zu erklären, die für DSIP beobachtet wurde.
- Phosphorylated delta sleep inducing peptide restores spatial memory and p-CREB expression by improving sleep architecture at high altitude. PräklinischPubMed· 2018
In dieser Tierstudie wurden Ratten sauerstoffarmen Bedingungen wie in großer Höhe ausgesetzt, was Schlaf und Gedächtnis stört. Ratten, denen phosphoryliertes DSIP (p-DSIP) injiziert wurde, schliefen besser und schnitten in einem Gedächtnistest (Wasserlabyrinth) besser ab. Die Behandlung beeinflusste auch die Spiegel von Botenstoffen und bestimmten Enzymen im Gehirn. Als die Forschenden die Schlafwirkung von DSIP mit Naloxon blockierten, verschlechterte sich das Gedächtnis wieder. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass der bessere Schlaf durch p-DSIP das Gedächtnis während eines simulierten Höhenaufenthalts unterstützte.

