Wie wirkt es?
Selank ist ein Heptapeptid – eine kurze Kette aus sieben Aminosäuren. Forschende vermuten, dass es das GABA-System des Gehirns beeinflussen kann, das wichtigste „Brems“-Signal des Körpers, das zur Ruhe beiträgt. Darüber hinaus haben Studien untersucht, ob Selank Botenstoffe wie Serotonin und ein Wachstumsprotein namens BDNF beeinflusst, das mit dem Gedächtnis und der Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen zusammenhängt. Wie genau alles zusammenhängt, ist noch nicht vollständig geklärt.
Technischer Mechanismus
Synthetisches Analogon des Immunpeptids Tuftsin, stabilisiert mit Pro-Gly-Pro. Moduliert GABA- und Serotoninsysteme, beeinflusst BDNF und Enkephalinasen in Forschungsmodellen.
Woran wird geforscht?
- Angst und Unruhe (anxiolytische Wirkung) – am meisten in kleinen russischen Studien untersucht
- Stressreaktion und mentale Ausdauer
- Das GABA-System und das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn
- BDNF, Gedächtnis und Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen (Neuroplastizität)
- Immunabwehr und entzündungsbezogene Gene (bislang nur in Tier- und Zellstudien)
Zur Dokumentation: Die Forschung zu Selank ist begrenzt. Große Teile wurden an Tieren oder Zellen durchgeführt, und die wenigen vorhandenen Humanstudien sind klein und stammen überwiegend aus Russland. Es gibt keine großen, unabhängigen klinischen Studien aus dem Westen. Die Ergebnisse sollten daher vorsichtig interpretiert werden, und Selank ist ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt – nicht zur Behandlung von Menschen oder Tieren.
Forschungsprofil
Studien und Quellen
Die Links führen zu unabhängigen Forschungsdatenbanken (PubMed, PubMed Central, ClinicalTrials.gov). Die Studien sind auf Englisch und öffnen sich in einem neuen Tab.
Angst, Stress und anxiolytische Wirkung
Studien haben untersucht, ob Selank Angst und Unruhe dämpfen kann. Eine kleine russische Humanstudie verglich Selank mit einem Beruhigungsmittel, während Tierstudien die Wirkung unter chronischem Stress erforscht haben.
- [Efficacy and possible mechanisms of action of a new peptide anxiolytic selank in the therapy of generalized anxiety disorders and neurasthenia] Klinisch (Mensch)PubMed· 2008
In dieser Studie am Menschen wurden 62 Patienten mit generalisierter Angststörung und Neurasthenie behandelt, wobei 30 Selank und 32 ein Beruhigungsmittel (Medazepam) erhielten. Der Zustand wurde mit Angstskalen beurteilt, und eine Substanz im Blut (Enkephalin) wurde gemessen. Die angstdämpfende Wirkung war bei beiden gleich, doch Selank hatte zusätzlich eine belebende Wirkung gegen Erschöpfung. Die Forschenden berichteten auch über Veränderungen des Enkephalinspiegels während der Behandlung mit Selank. Es handelt sich um eine russische Studie.
- Peptide Selank Enhances the Effect of Diazepam in Reducing Anxiety in Unpredictable Chronic Mild Stress Conditions in Rats PräklinischPubMed· 2017
In dieser Tierstudie an Ratten untersuchten die Forschenden, ob Selank die Wirkung des Beruhigungsmittels Diazepam unter langanhaltendem, unvorhersehbarem mildem Stress beeinflusst. Sie verwendeten einen Labyrinthtest für Angst. Selank allein war am wirksamsten, um erhöhte Angst zu dämpfen, während die Kombination aus Diazepam und Selank unter chronischem Stress am wirksamsten war. Die Forschenden sind der Ansicht, dass Selank die Wirkung klassischer Beruhigungsmittel verändern kann. Es handelt sich um eine Tierstudie, keinen Test am Menschen.
Wirkmechanismus: GABA und Botenstoffe
Forschende haben untersucht, wie Selank das GABA-System des Gehirns und andere Botenstoffe wie Serotonin beeinflusst, um zu verstehen, wie eine mögliche beruhigende Wirkung entstehen kann.
- Selank Administration Affects the Expression of Some Genes Involved in GABAergic Neurotransmission PräklinischPubMed· 2016
In dieser Tierstudie an Ratten untersuchten die Forschenden, wie Selank Gene beeinflusst, die mit der Signalübertragung im Gehirn zusammenhängen, insbesondere mit dem beruhigenden GABA-System. Eine Stunde nach der Gabe von Selank oder GABA hatte sich die Aktivität in 45 von 84 untersuchten Genen verändert, nach drei Stunden in 22 Genen. Die Veränderungen nach Selank und GABA hingen zusammen. Die Forschenden sind der Ansicht, dass Selank komplexe Wirkungen auf Nervenzellen hat, möglicherweise indem es das GABA-System indirekt beeinflusst. Es handelt sich um eine russische Tierstudie.
- GABA, Selank, and Olanzapine Affect the Expression of Genes Involved in GABAergic Neurotransmission in IMR-32 Cells PräklinischPubMed· 2017
In diesem Laborversuch testeten die Forschenden Selank an einer Art von Nervenzellen (IMR-32) und maßen die Aktivität von 84 Genen, die mit dem beruhigenden GABA-System zusammenhängen. Selank allein veränderte die Genaktivität in diesen Zellen nicht. Wurde Selank jedoch zusammen mit GABA gegeben, wurde die Wirkung von GABA auf die Gene nahezu aufgehoben, und zusammen mit dem Arzneimittel Olanzapin beeinflusste Selank mehr Gene als Olanzapin allein. Die Forschenden sind der Ansicht, dass dies teilweise dafür spricht, dass Selank das Zusammenspiel zwischen GABA und den Rezeptoren beeinflussen kann. Es handelt sich um eine Zellstudie, keinen Test am Menschen.
- Comparison of the effects of selank and tuftsin on the metabolism of serotonin in the brain of rats pretreated with PCPA PräklinischPubMed· 2009
In dieser Tierstudie an Ratten verglichen die Forschenden Selank und die verwandte Substanz Tuftsin. Die Ratten waren zuvor mit einer Substanz (PCPA) behandelt worden, die die Produktion des Botenstoffs Serotonin hemmt. Selank erhöhte den Serotoninumsatz im Hirnstamm 30 Minuten nach der Injektion, während Tuftsin keine solche Wirkung hatte und ihn in der Großhirnrinde verringerte. Die Forschenden deuten an, dass Selank bei Störungen im Zusammenhang mit niedrigem Serotoninumsatz untersucht werden könnte. Es handelt sich um eine russische Tierstudie.
- [Selank-induced normalizing effects on the integrative brain activity and biogenic amine level disorders due to antenatal hypoxia] PräklinischPubMed· 2006
In dieser Tierstudie untersuchten die Forschenden Selank bei erwachsenen Ratten, die im Mutterleib Sauerstoffmangel ausgesetzt gewesen waren. Selank steigerte die Aufmerksamkeit um ein Mehrfaches, verbesserte die Lernfähigkeit, normalisierte das Erkundungsverhalten und stellte das Gleichgewicht zwischen zwei Signalsystemen im Gehirn (Serotonin und Noradrenalin) wieder her. Die Forschenden sind der Ansicht, dass die Ergebnisse zeigen, dass Selank langfristigen negativen Auswirkungen von Sauerstoffmangel vor der Geburt auf die Gehirnfunktion entgegenwirken kann. Es handelt sich um eine russische Tierstudie, keinen Test am Menschen.
BDNF, Gedächtnis und Neuroplastizität
Mehrere Tierstudien haben untersucht, ob Selank das Wachstumsprotein BDNF beeinflusst, das mit dem Gedächtnis und der Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen zusammenhängt.
- Intranasal administration of the peptide Selank regulates BDNF expression in the rat hippocampus in vivo PräklinischPubMed· 2008
Auf Grundlage des Titels: Dies scheint eine Tierstudie zu sein, die untersucht, wie in die Nase gegebenes Selank die Menge des Nervenwachstumsfaktors BDNF im Hippocampus von Ratten beeinflusst.
- Selank, Peptide Analogue of Tuftsin, Protects Against Ethanol-Induced Memory Impairment by Regulating of BDNF Content in the Hippocampus and Prefrontal Cortex in Rats PräklinischPubMed· 2019
In dieser Tierstudie an Ratten, die 30 Wochen lang Alkohol als einziges Getränk erhielten, untersuchten die Forschenden Selank und das Gedächtnis. In einem Wiedererkennungstest verbesserte Selank das Gedächtnis älterer Ratten und wirkte Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsproblemen entgegen, die während des Alkoholentzugs auftraten. Selank wirkte auch alkoholbedingten Veränderungen des Nervenwachstumsfaktors BDNF im Hippocampus und im Frontallappen entgegen. Die Forschenden bringen die Wirkung mit BDNF in Verbindung. Es handelt sich um eine Tierstudie, keinen Test am Menschen.
Immunabwehr und weitere Wirkungen
Da Selank von der immunaktiven Substanz Tuftsin abgeleitet ist, haben einige Studien Wirkungen auf entzündungsbezogene Gene und Immunzellen untersucht, zusätzlich zu anderen Bereichen wie dem Opioidentzug bei Ratten.
- Expression of inflammation-related genes in mouse spleen under tuftsin analog Selank PräklinischPubMed· 2011
In dieser Tierstudie an Mäusen untersuchten die Forschenden, wie Selank und zwei seiner Fragmente Gene beeinflussen, die mit Entzündungen in der Milz zusammenhängen. Von 84 untersuchten Genen veränderten 34 ihre Aktivität. Ein Gen (Bcl6), das für das Immunsystem wichtig ist, veränderte sich bei allen Peptiden deutlich. Die Forschenden sind der Ansicht, dass die Ergebnisse bestätigen, dass Selank an der Regulierung von Entzündungsprozessen im Körper beteiligt ist. Es handelt sich um eine russische Tierstudie, keinen Test am Menschen.
- The temporary dynamics of inflammation-related genes expression under tuftsin analog Selank action PräklinischPubMed· 2014
In dieser Tierstudie an Mäusen verfolgten die Forschenden im Zeitverlauf, wie Selank und das Fragment Gly-Pro vier Entzündungsgene in der Milz beeinflussen. Sie beobachteten bereits 30 Minuten nach der Injektion einen deutlichen Rückgang eines Gens (C3) und wellenförmige Veränderungen eines anderen (Casp1). Selank und Gly-Pro zeigten in vielen Fällen ähnliche Muster, was nach Ansicht der Forschenden darauf hindeuten könnte, dass dieses Fragment zur Gesamtwirkung von Selank beiträgt. Die Forschenden bringen dies mit dem Gleichgewicht des Immunsystems in Verbindung. Es handelt sich um eine russische Tierstudie.
- Selank, a Peptide Analog of Tuftsin, Attenuates Aversive Signs of Morphine Withdrawal in Rats PräklinischPubMed· 2022
In dieser Tierstudie an Ratten untersuchten die Forschenden Selank bei durch Naloxon ausgelöstem Morphinentzug. Eine einzelne Injektion von Selank in angstdämpfender Dosis verringerte die gesamten Entzugszeichen um rund 40 Prozent, dämpfte Krämpfe und Haltungsstörungen und erhöhte die Empfindlichkeitsschwelle deutlich. Selank war etwas schwächer als Diazepam. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Selank, ähnlich wie Diazepam, die unangenehmen Zeichen des Morphinentzugs bei Ratten dämpft. Es handelt sich um eine Tierstudie, keinen Test am Menschen.

