Wie wirkt es?
Studien haben untersucht, wie MOTS-c offenbar ein zentrales „Energiesensor“-System in den Zellen beeinflusst, das AMPK genannt wird. Wenn AMPK aktiviert wird, verlagern sich die Zellen darauf, Zucker und Fett als Brennstoff zu nutzen. In Versuchen wurde MOTS-c mit einer erhöhten Glukoseaufnahme in die Muskeln in Verbindung gebracht, unter anderem über den Transporter GLUT4. Eine weitere Eigenschaft, die Forschende untersucht haben, ist, dass das Peptid unter Stress in den Zellkern wandern und beeinflussen kann, welche Gene an- und abgeschaltet werden. Dies beruht weitgehend auf Zell- und Tiermodellen.
Technischer Mechanismus
Peptid aus 16 Aminosäuren, kodiert in der mitochondrialen DNA. Transloziert in den Zellkern und aktiviert AMPK-Signalwege für Glukoseaufnahme und Fettsäureoxidation.
Woran wird geforscht?
- Insulinempfindlichkeit und wie der Körper den Blutzucker reguliert (Tier- und Zellstudien)
- Aktivierung von AMPK – dem Energiesensor der Zellen – und allgemeiner Energieumsatz
- Muskelfunktion, körperliche Leistungsfähigkeit und altersbedingter Abbau (Tierstudien)
- Körpergewicht, Fettgewebe und durch fettreiche Ernährung ausgelöstes Übergewicht in Tiermodellen
- Herz-Kreislauf-Funktion (Tiermodelle und Beobachtungsdaten beim Menschen)
- Knochengesundheit und osteoporoseähnlicher Knochenverlust (Tier- und Zellstudien)
Zur Dokumentation: Fast das gesamte Wissen über MOTS-c stammt aus Versuchen an Zellen und Tieren (vor allem Mäusen und Ratten). Humandaten sind bislang spärlich und früh – die meisten sind kleine Beobachtungsstudien, die die natürlichen MOTS-c-Spiegel des Körpers messen, keine großen Behandlungsstudien. Nichts davon ist eine zugelassene Behandlung, und der Inhalt hier dient ausschließlich als Forschungsinformation (Research Use Only).
Forschungsprofil
Studien und Quellen
Die Links führen zu unabhängigen Forschungsdatenbanken (PubMed, PubMed Central, ClinicalTrials.gov). Die Studien sind auf Englisch und öffnen sich in einem neuen Tab.
Stoffwechsel, Insulinempfindlichkeit und AMPK-Signalübertragung
Die frühe Grundlagenforschung zu MOTS-c befasst sich mit dem Energieumsatz. Studien an Mäusen und Zellen haben untersucht, wie das Peptid die Insulinempfindlichkeit beeinflusst und den Energiesensor AMPK aktiviert.
- The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance PräklinischPubMed· 2015
In dieser Studie beschreiben die Forschenden ein kleines Peptid namens MOTS-c, das von den Mitochondrien (Energiekraftwerken) der Zellen gebildet wird. In Versuchen mit Mäusen verhinderte eine MOTS-c-Behandlung alters- und ernährungsbedingte Insulinresistenz durch fettreiche Kost und wirkte auch Adipositas durch fettreiche Nahrung entgegen. Das Peptid scheint in erster Linie in der Skelettmuskulatur zu wirken. Es handelt sich um eine Tier- und Laborstudie, und die Ergebnisse gelten für Mäuse, nicht für Menschen.
- MOTS-c: A novel mitochondrial-derived peptide regulating muscle and fat metabolism ÜbersichtPubMed· 2016
Dieser Übersichtsartikel beschreibt MOTS-c, ein kleines Peptid, das aus dem eigenen Erbgut der Mitochondrien gebildet wird. Die Autoren erklären, dass MOTS-c auf die Skelettmuskulatur wirkt und den Zuckerstoffwechsel verbessert und dass es für Adipositas, Diabetes, Training und Alterung von Bedeutung sein könnte. Der Artikel stellt MOTS-c als eine völlig neue Art von Signal aus den Mitochondrien vor, das an der Regulierung des Stoffwechsels in und zwischen Zellen beteiligt ist.
- MOTS-c: an equal opportunity insulin sensitizer ÜbersichtPubMed· 2019
Auf Grundlage des Titels: Dieser Übersichtsartikel beschreibt MOTS-c als ein Peptid, das offenbar die Insulinempfindlichkeit in verschiedenen Gruppen verbessert.
- Mitochondria-derived peptide MOTS-c: effects and mechanisms related to stress, metabolism and aging ÜbersichtPubMed· 2023
Dieser Übersichtsartikel beschreibt MOTS-c, ein Peptid, das aus dem 12S-rRNA-Gen der Mitochondrien gebildet wird. Die Autoren erklären, dass MOTS-c bei Stress oder Training vermehrt gebildet wird und in den Zellkern wandern kann, um Gene einzuschalten, die vor Stress schützen. Das Peptid wirkt hauptsächlich über einen Energiesignalweg (AMPK) und beeinflusst Energieumsatz, Insulinresistenz, Entzündung, Training und Alterung. Der Artikel fasst Forschung dazu zusammen, wie MOTS-c zu gesundem Altern beitragen könnte.
Training, Muskeln und Alterung
Die MOTS-c-Spiegel scheinen bei körperlicher Aktivität anzusteigen, und mehrere Tierstudien haben untersucht, ob das Peptid Muskelfunktion und körperliche Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne beeinflussen kann.
- MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis PräklinischPubMed· 2021
In dieser Studie fanden die Forschenden, dass MOTS-c, ein Peptid aus den Mitochondrien, die körperliche Leistungsfähigkeit von Mäusen jeden Alters – jung, mittelalt und alt – verbesserte. Eine spät im Leben begonnene Behandlung steigerte bei den Mäusen sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die gesunden Lebensjahre. Beim Menschen beobachteten sie, dass Training die körpereigene Produktion von MOTS-c in Muskeln und Blut erhöht. Die eigentlichen Behandlungsversuche wurden an Mäusen durchgeführt, während der Humanteil nur eine Beobachtung im Zusammenhang mit Training ist.
- MOTS-c modulates skeletal muscle function by directly binding and activating CK2 PräklinischPubMed· 2024
In dieser Labor- und Tierstudie zeigen die Forschenden, dass MOTS-c wirkt, indem es an ein Enzym namens CK2 bindet und dieses aktiviert. Bei Mäusen wirkte MOTS-c Muskelschwund entgegen und erhöhte die Zuckeraufnahme der Muskeln, doch die Wirkung blieb aus, wenn CK2 gehemmt wurde. Eine natürliche Genvariante (K14Q) band schlechter an CK2. Männer mit dieser Variante hatten ein höheres Risiko für Muskelabbau und Typ-2-Diabetes, während Frauen in bestimmten Altersgruppen ein geringeres Risiko hatten. Die Behandlungsversuche wurden an Mäusen und Zellen durchgeführt.
- Mitochondrial-derived microprotein MOTS-c attenuates immobilization-induced skeletal muscle atrophy by suppressing lipid infiltration PräklinischPubMed· 2024
In dieser Tierstudie untersuchten die Forschenden, ob das Peptid MOTS-c Muskelschwund entgegenwirken kann, wenn das Bein von Mäusen mit einem Gips ruhiggestellt wurde. Ohne Behandlung verloren die Mäuse rund 15 Prozent Muskelmasse, während die MOTS-c-Behandlung den Verlust auf etwa 5 Prozent begrenzte. Die Behandlung dämpfte auch Entzündungen im Körper und verringerte Fetteinlagerungen im Muskel. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MOTS-c in diesem Mausmodell vor Muskelschwund schützen kann.
Herz-Kreislauf-Gesundheit
Forschende haben den Zusammenhang zwischen MOTS-c und dem Herz-Kreislauf-System untersucht, sowohl in Tiermodellen als auch durch Messung der natürlichen Spiegel des Körpers in Patientengruppen.
- MOTS-c repairs myocardial damage by inhibiting the CCN1/ERK1/2/EGR1 pathway in diabetic rats PräklinischPubMed· 2023
In dieser Tierstudie mit diabetischen Ratten untersuchten die Forschenden die Wirkung von MOTS-c auf das Herz. Eine achtwöchige Behandlung reparierte Schäden an den Mitochondrien des Herzens und erhielt die Pump- und Füllungsfunktion des Herzens. Analysen deuteten darauf hin, dass MOTS-c unter anderem wirkte, indem es den Zelltod im Herzmuskel über bestimmte Gene und Signalwege dämpfte. Die Ergebnisse weisen auf mögliche Behandlungsziele bei Diabetes und Herzerkrankungen bei Ratten hin, wurden hier aber nicht am Menschen untersucht.
- The Mitochondrial-Derived Peptide MOTS-c May Refine Mortality and Cardiovascular Risk Prediction in Chronic Hemodialysis Patients: A Multicenter Cohort Study Klinisch (Mensch)PubMed· 2024
In dieser Studie mit 94 Dialysepatienten untersuchten die Forschenden, ob der Spiegel des Peptids MOTS-c im Blut helfen kann, Tod und Herz-Kreislauf-Ereignisse vorherzusagen. Die MOTS-c-Spiegel waren bei Dialysepatienten höher als bei Gesunden und noch höher bei denjenigen, die später solche Ereignisse erlitten. Wenn MOTS-c zu den üblichen Risikofaktoren hinzugefügt wurde, verbesserten sich die Prognosemodelle etwas. Die Autoren sind der Ansicht, dass MOTS-c zusätzliche Informationen über das Risiko liefern kann, dass jedoch größere Studien nötig sind.
Knochen und Skelettgesundheit
Eine Reihe von Tier- und Zellstudien hat untersucht, ob MOTS-c die Knochenzellen und den Knochenverlust beeinflussen kann, unter anderem in Modellen für Osteoporose.
- Mitochondria related peptide MOTS-c suppresses ovariectomy-induced bone loss via AMPK activation PräklinischPubMed· 2016
In dieser Tierstudie erhielten Mäuse, denen die Eierstöcke entfernt worden waren, 12 Wochen lang MOTS-c-Injektionen, um zu prüfen, ob das Peptid vor Knochenschwund schützen kann. MOTS-c verringerte den Knochenverlust deutlich, gemessen mittels CT-Scan. Die Forschenden fanden, dass MOTS-c die Bildung von knochenabbauenden Zellen hemmte und dass die Wirkung über die Aktivierung des Energiesignalwegs AMPK erfolgte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MOTS-c in diesem Mausmodell Knochenschwund entgegenwirken kann.
- MOTS-c improves osteoporosis by promoting osteogenic differentiation of bone marrow mesenchymal stem cells via TGF-β/Smad pathway PräklinischPubMed· 2018
In diesem Laborversuch mit Knochenmarkzellen von Ratten untersuchten die Forschenden, ob MOTS-c Knochenschwund entgegenwirken kann. MOTS-c brachte die Zellen dazu, sich zu knochenbildenden Zellen zu entwickeln, und es bildeten sich mehr verkalkte Knötchen. Die Wirkung erfolgte über einen bestimmten Signalweg (TGF-β/Smad) und verschwand, wenn ein zentrales Gen dieses Wegs ausgeschaltet wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MOTS-c in Zellversuchen die Knochenbildung fördern kann, dies wurde hier aber nicht am Menschen untersucht.
Humandaten
Die Humanforschung befindet sich noch in einem frühen Stadium und besteht aus kleineren Beobachtungsstudien, die die natürlichen MOTS-c-Spiegel des Körpers in verschiedenen Patientengruppen messen.
- Lipids and insulin regulate mitochondrial-derived peptide (MOTS-c) in PCOS and healthy subjects Klinisch (Mensch)PubMed· 2019
In dieser Studie mit Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) und gesunden Kontrollpersonen untersuchten die Forschenden, wie das Peptid MOTS-c im Blut auf Fett und Insulin reagiert. Die Zufuhr von Fett erhöhte die MOTS-c-Spiegel in beiden Gruppen deutlich, während Insulin diesen Anstieg dämpfte. Acht Wochen moderates Training veränderten die MOTS-c-Spiegel nicht. Laut den Autoren ist dies die erste Studie, die zeigt, dass Fett MOTS-c beim Menschen erhöht, während Insulin die Reaktion dämpft.

